Als ich vor zwei Jahren das erste Mal auf La Palma landete, dachte ich, ich hätte den Planeten gewechselt. Die schwarzen Lavafelder, die fast greifbaren Wolken über dem Nationalpark Caldera de Taburiente, die Stille – überall Stille. Aber ich machte einen Fehler: Ich buchte Bustouren und organisierte Shuttles. Das war ein einziger Kompromiss. Man stand an Aussichtspunkten mit 40 anderen Leuten und wartete. Auf die Wolkenlücke. Auf den Bus. Auf nichts. Nach drei Tagen mietete ich spontan ein Auto – und alles änderte sich. Mietwagen offizielle Website half mir damals, einen Kleinwagen für 28 Euro am Tag zu finden, ohne versteckte Gebühren. Seitdem rate ich jedem: Finger weg von Gruppenausflügen auf einer Insel, die für die Entdeckung allein gemacht ist. Hier sind fünf Routen, die ich selbst getestet habe und die kein Reiseführer so beschreibt.
Route 1: Die Westküste im Nebel – von Tijarafe nach Puntagorda
Die meisten Touristen fahren direkt nach Los Llanos oder Santa Cruz. Dabei liegt der Zauber der Insel im Westen. Start in Tijarafe, einem Dorf, das wie eine steinerne Treppe den Hang hinunterläuft. Park dein Auto an der Kirche, geh zu Fuß die Calle Real runter – hier gibt es einen Kiosk, der frische Mandelhörnchen für 1,50 Euro verkauft. Die Straße nach Puntagorda ist eine der engsten, die ich kenne. Zwei Autos passen kaum aneinander vorbei. Aber die Aussicht: Links das Meer, rechts Pinienwälder, dazwischen eigentlich nichts. Ich hielt an einer Stelle, wo die Straße eine enge Kurve machte, und sah plötzlich ein einzelnes Haus auf einer Klippe. Ein alter Mann winkte mir zu. Er winkte jedem zu. Das war’s.
- Dauer der Strecke: etwa 30 Minuten reine Fahrzeit, plane 2 Stunden mit Fotostopps ein
- Empfohlenes Auto: ein kleiner SUV oder ein Kompaktwagen – die Straßen sind extrem schmal und uneben
- Besonderer Tipp: In Puntagorda gibt es sonntags einen Bauernmarkt mit selbstgemachtem Ziegenkäse und Mojo-Soßen, der bis 14 Uhr läuft
- Nebenstraße: hinter Puntagorda führt eine Schotterpiste zu einem verlassenen Leuchtturm – nur mit Geländewagen befahrbar
- Verpflegung: nehmt Wasser und Snacks mit, es gibt kaum Geschäfte entlang der Strecke
Route 2: Durch den Lorbeerwald – die geheime Runde von Los Tilos
Morgens um sieben Uhr war ich der einzige Mensch im Wald. Los Tilos, das Biosphärenreservat, ist normalerweise voll von Wanderern. Aber wer früh startet, erlebt etwas anderes: das Geräusch von Tropfen, die von Farnen fallen, das Zittern der Luft unter den riesigen Lorbeerbäumen. Ich folgte der alten Wasserleitung, einer acequia, die seit Jahrhunderten durch die Schlucht führt. Irgendwann endet der Weg an einem kleinen Wasserfall. Da kann man nicht baden, das Wasser ist eiskalt. Aber man kann eine Stunde lang dasitzen und nichts tun. Danach fuhr ich weiter nach San Andrés – das ist ein uraltes Dorf mit einer Kirche aus dem 16. Jahrhundert. Der Schlüssel hängt im Nachbarhaus, wenn sie geschlossen ist. Einfach klingeln.
- Start: Parkplatz am Centro de Visitantes de Los Tilos, Eintritt frei
- Waldweg: 3,5 Kilometer einfach, festes Schuhwerk nötig
- Beste Zeit: Frühsommer oder Oktober – nicht im Hochsommer, da die Moskitos dort heftig sein können
- Kultur: in San Andrés gibt es ein kleines Museum über Seidenraupenzucht, geöffnet nur nach Vereinbarung
- Weiterfahrt: von dort 15 Minuten nach Barlovento, wo eine Bäckerei die besten Brötchen der Insel backt
- Auto-Empfehlung: der Weg ist asphaltiert, jedes Fahrzeug reicht – aber die Zufahrt zum Wasserfall seitlich erfordert ein Auto mit etwas Bodenfreiheit
Ich habe gelernt, dass der Schlüssel zu La Palma nicht im Sightseeing liegt. Sondern darin, sich zu verirren. Einmal war ich kurz vor Sonnenuntergang in der Gegend um El Paso. Die Straße hörte einfach auf – sie endete an einer Klippe. Kein Schild, keine Barriere. Nur ein alter Vulkan im Hintergrund. Da stand ich, mit dem Auto um 180 Grad wenden. Das war nervenaufreibend. Aber das Gefühl, einen Ort gefunden zu haben, den sonst keiner kennt, war den Schweiß wert. Solche Momente passieren nur, wenn man flexibel ist – und genau dafür braucht man einen eigenen Wagen. Nicht für die Geschwindigkeit, sondern für die Freiheit, den nächsten Halt auszuwählen, wenn man etwas Unerwartetes sieht. Die Insel ist groß genug, um sich drei Wochen lang zu verlieren, ohne gelangweilt zu sein. Fangt einfach mit einer dieser Routen an – und lasst das Navigationsgerät aus. Folgt der Straße, die im Regen glänzt, und ihr werdet finden, was ihr nicht gesucht habt.